Bildung

Das Parteibuch muss endlich raus aus den Klassenzimmern!

21 Jan , 2020  

Was ist passiert? Mit dem Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ hat Susanne Wiesinger, Lehrerin einer Schule in Wien-Favoriten, im Herbst 2018 für großes mediales Aufsehen gesorgt und für ordentlich viel Furore gesorgt. Das Kernthema ihres ersten Buches war die Kritik an Religionen im Klassenzimmer, insbesondere am Islam. Daraufhin wurde sie von Türkis-Blau als Ombudsfrau im Bildungsministerium installiert.

Immerhin passte ihr Buch und ihre Erfahrungen in die Linie der ehemaligen Regierung und spielte ihnen somit in die Karten. Gestern, ein Jahr später, veröffentlicht Wiesinger ihr neues Buch: „Machtkampf im Ministerium“. Hauptkritikpunkt: Parteibücher und Parteikämpfe an unseren Schulen. Hinfällig zu erwähnen, dass Frau Wiesinger nicht mehr als Ombudsfrau im Bildungsministerium arbeitet.





Was sie in den 240 Seiten beschreibt ist jedoch leider nichts Neues und deckt sich mit meinen Erfahrungen in Wien und dem, was NEOS seit Jahren kritisiert. Hier ein paar Punkte, die sich mit unserer politischen Arbeit und dem Buch gleichen:

  • Direktor_innen sind seit jeher parteipolitisch von rot und türkis besetzt. Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass bei der Besetzung von Direktor_innen noch immer das Parteibuch mehr zählt als die Qualifikation.
  • Die rote Bildungsdirektion in Wien verpasst seit Jahrzehnten den Direktor_innen und Lehrer_innen einen Maulkorb, damit ja keine Missstände aus den Schulen an die Öffentlichkeit geraten. Diese Unkultur des Schweigens muss endlich beendet werden!
  • Bund und Länder streiten sich seit jeher über die Finanzierung im Bildungssystem und verhindern somit jegliche dringend benötigte Reformen. Alle Expert_innen sind sich beispielsweise einig, dass es viel mehr Schulsozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen in Wien braucht, was aber durch den Hick-Hack zwischen dem Bildungsministerium und der Bildungsdirektion in Wien blockiert wird.

Das Ergebnis dieser jahrzehntelangen Politik ist, dass mittlerweile 4 von 10 Pflichtschüler_innen in Wien nicht sinnerfassend lesen können. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Trotz einer Schulbildung in Österreich, haben vier von zehn Jugendlichen kaum Chancen am Arbeitsmarkt oder in ihrer späteren Ausbildung. Eltern tun alles dafür , damit ihre Kinder ja nicht in eine neue Mittelschule kommen und Lehrer_innen gehen reihenweise in Burn-out, weil sie maßlos überfordert sind. Wir haben längst nicht nur einen Klimanotstand, sondern auch einen Bildungsnotstand!

Was es jetzt braucht, ist ein parteipolitischer Schulterschluss, um die Bildung über die Parteiinteressen zu stellen. Großbritannien hat mit der London-Challenge vorgezeigt, das es möglich ist, ein Bildungssystem in ein paar Jahren von Grund auf zu reformieren und die Brennpunktschulen letztlich zu den besten Schulen der Stadt zu machen. Das muss auch Wien schaffen!


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