Bildung

Ludwigs großer Bildungs-Schmäh

21 Feb , 2020  

Die Gratis-Ganztagesschule löst weder Bildungs- noch Integrationsfragen

Das große Füllhorn hat Bürgermeister Ludwig diese Woche bei seiner Wahlkampf-Rede über die Wienerinnen und Wiener ausgeschüttet. Höhepunkt der vielen Ankündigungen: Die Gratis-Ganztagesschule, die – so verspricht es Ludwig – wesentliche Bildungs- und Integrationsprobleme lösen soll.

Bei genauem Hinschauen wird aber schnell deutlich: Es sind leere Versprechungen. Das Angebot gilt nur für einen kleinen Teil der Schülerinnen und Schüler – und zwar für jene, die bereits einen der begehrten Plätze in einer verschränkten Ganztagesschule ergattert haben. Horte oder Formen deroffenen Ganztagesbetreuung sind weiter zu bezahlen. 

Wer profitiert also? Ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme in eine verschränkte Ganztagesschule ist, dass beide Eltern berufstätig sind. Bleibt beispielsweise ein Elternteil zu Hause, gibt es wenig Chancen auf einen Platz in der Ganztagesschule. Ebenso wenig, wenn ein Elternteil arbeitslos ist. Dazu kommt, dass durch die soziale Staffelung schon bisher ein Fünftel der Kinder gratis in die Ganztagesschule gehen konnte.

Die Maßnahme Ludwigs ist also eine Augenauswischerei: Sie wird die Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich nicht erhöhen. Wieder einmal schüttet die SPÖ Geld mit der Gießkanne aus. Dabei wäre es höchst an der Zeit und sozial wesentlich gerechter, das Geld verstärkt in die sogenannten Brennpunktschulen zu geben: Individuelle Förderung jener Schulstandorte, die einen besonders hohen Bedarf etwa an Sozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen haben, wäre eine echte Hilfe und Verbesserung für jene Kinder, die am stärksten benachteiligt werden. Bürgermeister Ludwig schaut weiter zu, wie 4 von 10 Kindern nach der NMS nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können. Leider ist ihm eine billige Schlagzeile offenbar mehr wert als eine echte Bildungsreform, die wir in Wien so dringend brauchen.


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