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Wienwert – Wie rote Alt-Funktionäre ein dubioses Geschäftsmodell decken

14 Aug , 2017  

Das Immobilienunternehmen mit dem roten Stephansdom im Logo, dem Namen der bekanntlich lebenswertesten Hauptstadt der Welt im Namen wirbt in letzter Zeit wieder ausgiebig auf allen Kanälen – auch mit den Vorzügen der hohen Lebensqualität in Wien. Beworben wir eine Unternehmensanleihe, die eigentlich zu schön ist, um wahr zu sein: 5,25% Zinsen werden da versprochen, und das bei einer Laufzeit von nur 3 Jahren. Wo gibt es so etwas denn heutzutage noch? Handelt es sich, der Auftritt und die Werbung des Unternehmens würden das wohl nahelegen, um ein Immo-Unternehmen der Stadt Wien mit entsprechender Bonität?

Um das gleich vorwegzunehmen: Nein, Wienwert hat zumindest unmittelbar nichts mit der Stadt Wien zu tun. Es handelt sich um ein privates Immobilienunternehmen, das bis vor kurzem Altbauten sanierte und vermietete. Vor kurzem wurde das Geschäftsfeld des Unternehmens geändert und man investiert nunmehr in Neubauten in Stadterweiterungsgebieten.

In den Schlagzeilen war Wienwert in den letzten Jahren immer wieder. Neben Konflikten mit Auftragnehmern wurde Wienwert im Zusammenhang mit der Bewerbung der Unternehmensanleihen auch gerichtlich irreführende Werbung bescheinigt. Die – 2014 noch mit stolzen 6,5% verzinsten – Anleihen wurden als „grundbuchgesichert“ verkauft, was das Gericht für unzulässig befand.

Normalerweise gilt ja die Maxime „hohe Rendite, hohes Risiko“. Wienwert versucht diese einfache Wahrheit, vor allem durch eine wohl intendierte Zuordnungsverwirrung mit der Stadt Wien, zu verschleiern. Seit Jahren werden durch Wienwert Anleihen mit Zinsen weit über der marktüblichen Höhe angeboten. Um die alten Anleihen begeben zu können, müssen immer neue Anleihen ausgegeben und entsprechend offensiv beworben werden.

Wer sich in so hohem Ausmaß fremdfinanziert verfügt rasch über ein hohes negatives Eigenkapital. Die Anleihenschulden der Wienwert stecken aber mittlerweile in einer Wienwert Holding AG. Die Emittentin der aktuellen Anleihe, eine neue Wienwert AG, hat ein positives Eigenkapital von 4,74 Millionen Euro (während die finanzielle Situation der Konzernmutter Wienwert Holding für die Anleger verschleiert wird). Auch diese 4,74 Millionen Euro sind eigentlich nur ein Luftschloss, bestehen doch 3,1 Mio Euro dieses Eigenkapitals gar nicht aus liquiden Mitteln oder Immobilien, sondern lediglich aus der Wort-Bild-Marke „Wienwert“. Aber was hat das alles mit Politik zu tun?

Das beginnt dabei, dass hier ein Unternehmen in Kauf nimmt oder beabsichtigt, dass man es für eine städtische Einrichtung hält. Die Stadt sieht tatenlos zu, wie sich ein privates Unternehmen die „Marke Wien“ aneignet. Es besteht zwar keine Verbindung der Wienwert zur Stadt Wien, sehr wohl aber zur Wiener SPÖ, was dem Unternehmen nicht zum Nachteil in den Beziehungen zur Stadt gereichen sollte: Und zwar unterhält die Wienwert AG einen Beirat, dem ausschließlich Politiker der SPÖ Wien sowie Peter Korecky, ehemaliger Vizechef der Gewerkschaft öffentlicher Dienst angehören. Laut Aussagen des Wienwert-Geschäftsführers gegenüber dem Standard dient dieser Beirat vor allem dem „Netzwerken“.

Wienwert legt Geschäftspraktiken an den Tag, die an der Seriösität des Unternehmens Zweifel aufkommen lassen. Viele Kleinanleger auf der Suche nach einem sicheren Immobilieninvestment könnten bald um ihr Erspartes gebracht werden. Und diese Praktiken werden vom Beirat aus roten Alt-Funktionären politisch gedeckt. Die SPÖ, die sich sonst den Konsumentenschutz gerne auf die Fahnen heftet, muss die Karten auf den Tisch legen und klarstellen, was ihre Rolle bei Wienwert ist und was die Beiratsmitglieder Godwin Schuster und Alois Mayer für das Unternehmen leisten. Und die Stadt Wien muss endlich Schritte setzen, um die möglicherweise irreführende Werbung von Wienwert unter Verwendung des Namens der Stadt zu unterbinden.


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