Integration, Jugend

Mehr Säkularismus wagen – Gemeinsam gegen Radikalisierung

18 Oct , 2016  

Es herrscht große Aufregung rund um die Ergebnisse der Studie „ Jugendliche in der offenen Jugendarbeit“. Seit Mai 2016 versucht die Stadt Wien diese Studie über Radikalisierungstendenzen unter Verschluss zu halten. Es ist unerhört, dass eine mit öffentlichen Geldern finanzierte Studie so lange verheimlicht wurde, nur um negative Presse über dieses Thema zu vermeiden. Dies ist genau der falsche Ansatz, den Rot-Grün nun schon viel zu lange verfolgt: Probleme im Integrationsbereich einfach nicht ansprechen und leugnen. Allerdings ist dieses Schweigen nur Wasser auf den Mühlen der Rechtspopulisten und stärkt diese. Wir brauchen einen ehrlichen Diskurs über Radikalisierungsprobleme in dieser Stadt, wie wir ihn seit Mai einfordern. 

Die quantitativen Ergebnisse der Studie schockieren. Nur einige der Resultate: 47% der muslimischen Jugendlichen zeigen antisemitische Züge, 59% lehnen Homosexualität ab, ein Dittel der männlichen muslimischen Jugendlichen wird als radikalisierungsgefährdet eingestuft. Die Studie zeigt zwei Zusammenhänge ganz deutlich: Erstens, hängen diese Abwertungstendenzen und die drohende Radikalisierung mit einer starken muslimischen Religiosität zusammen. Das aber nicht, weil „der Islam“ grundsätzlich gewaltbereit und ausgrenzend wäre, sondern weil viele desorientierte Jugendliche in der Religion ein vermeintlich geborgenes Zuhause finden, das die Gesellschaft ihnen nicht bietet. Und zweitens besteht ein Zusammenhang zwischen mangelnder Bildung und Chancenlosigkeit auf der einen Seite und Ausgrenzung und Hass auf der anderen Seite. Hier müssen wir als Politik ansetzen.

Eine so vernichtende und besorgniserregende Studie verlangt Konsequenzen, aber welche?

Von rechter Seite kommen jetzt natürlich die zu erwartenden populistischen Schnellschüsse: Koranverteilungsverbot, Verschleierungsverbot, Abschiebung krimineller Asylwerber… Das sind alles Scheinmaßnahmen, die das Problem nicht bei der Wurzel packen.

Wo wir als Politik und Gesellschaft stattdessen wirklich ansetzen müssen:

1. Mit dem Islam reden, nicht über ihn: Rechtspopulisten und radikale Muslime eint ein Ziel: Sie legen es auf den „Clash of cultures“ an. Wenn wir in der politischen Rhetorik gegen „den Islam“ vorgehen, befeuern wir diese Tendenz und tragen zu einer Verschlimmerung des Problems bei. Eine zunehmende Radikalisierung ist genauso ein Problem der islamischen Religionsgemeinschaft. Wir sollten es auch gemeinsam lösen.

2. Mehr Säkularismus wagen: Viel ist die Rede von der Vermittlung westlicher Werte an Zuwanderer. Zu diesen liberalen Werten der Aufklärung gehört aber im Kern der Säkularismus, die konsequente Trennung zwischen Religion und Staat. Diese müssen wir ebenso konsequent leben und als gesellschaftlichen Wert vorleben.

3. Bildung, Bildung, Bildung: Alle Zahlen unterstreichen den Befund, dass in Wien der Satz gilt „Sage mir wo du herkommst und ich sage dir wie weit du es bringen wirst.“ Mehr als die Hälfte der Wiener Pflichtschulen zählen schon als Brennpunktschulen. Hier gewinnen oder verlieren wir den Kampf um die nächste Generation. Es braucht dringend mehr Mittel für Lehrkräfte, Sozialarbeiter_innern, Soziolog_innen und administratives Personal.

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